Ratgeber E10- Versicherung: Was hinter der Shell-Aktion steckt

Das neue E-10 Benzin polarisiert. Eine scheinbar gute Idee hat da das weltweit größte Energie-Unternehmen: Um die Nachfrage nach dem umstrittenen Biosprit zu steigern, bietet Shell eine kostenlose Versicherung gegen E10-Schäden an.  Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt – wir decken in unserem Ratgeber auf, was hinter dieser Aktion steckt.

Die Einführung des neuen Öko-Kraftstoffes, der den Co2 Ausstoß von Autos senken soll, ist kläglich gescheitert. Nun sucht man händeringend nach Strategien, um das Ganze doch noch gut zu vermarkten und die Zweifel der Kunden zu minimieren. Das Unternehmen Shell macht ein scheinbar gutes Angebot:  Verbraucher, die mindestens 30 Liter E10 bei Shell getankt haben, können zukünftig eine Versicherung gegen E10 Schäden abschließen. Die kommt von der “Deutschen Familienversicherung”, ist kostenlos und deckt Schäden an Autoteilen wie Dichtungen, Kunststoffen oder Motor ab, die durch den Bio-Kraftstoff entstanden sind.

Wer kann so eine Versicherung abschließen?

Wichtig ist, dass Ihr Auto auf der E10-Verträglichkeitsliste auftaucht und nicht vor 1996 zugelassen wurde. Außerdem müssen 30 Liter E10 bei Shell getankt werden und der Kunde muss sich im Internet für die Police registrieren. Innerhalb von drei Tagen kann diese dann genutzt werden. So weit, so gut – aber es gibt einen Haken.

Foto: Flickr / Gerard Stolk

Das Kleingedruckte

Das wird in sämtlichen Verträgen oft überlesen, bei der E10-Versicherung sollten sie jedoch genauer hinschauen. Mit der 30 Liter Tankfüllung sind nämlich noch lange nicht alle Bedingungen erfüllt: Der Kunde muss vom Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses an, 80% der Tankfüllungen bei Shell beziehen. Wenn man also zu oft zur Konkurrenz fährt, hat man Pech gehabt! Dazu ist es im Schadensfall nötig alle (!) Tankquittungen vorzuzeigen, um so der Beweispflicht nachzukommen. Außerdem endet die Versicherung automatisch nach 1,5 Jahren – wer weiter versichert sein will, muss blechen.

Weiteres Problem: Eine Fachwerkstatt muss feststellen, dass der Schaden wirklich vom Biosprit kommt. Das Ganze muss von einem Dekra-Gutachter noch einmal bestätigt werden. Knackpunkt ist hier Folgendes: Wenn die Werkstatt den Kraftstoff nicht als Ursache des Schadens ansieht, muss der Verbraucher den Dekra-Gutachter auf eigenes Risiko bestellen. Im schlimmsten Falle – wenn also E10 wirklich nicht Schuld ist – bleibt er auf den Kosten sitzen. Das sind dann mal eben 250 – 350 Euro!

Außerdem wissenswert

Und was ist, wenn man einen Schaden feststellt und keine Versicherung hat? Das Verblüffende: Verbraucher ohne Versicherung sind nicht im Nachteil. Denn wenn das Auto auf der Verträglichkeitsliste steht, muss der Kunde sicher sein, dass das auch so stimmt. Wenn nicht, gelten alle rechtlichen Ansprüche wie auch sonst. Soll heißen: Der Hersteller haftet, wahrscheinlich dauert die Abwicklung nur länger.

Fazit zur E10 Versicherung

Die E10 Versicherung ist also nichts weiter als ein Marketing-Konzept, das dem Unternehmen Shell mehr Umsatz einbringt. Sie ist überflüssig und kann daher als “Mogelpackung” bezeichnet werden. Und eins ist nach unserem Ratgeber klar: Wenn sich viele Kunden verpflichtet haben, für 1,5 Jahre bei Shell zu tanken, werden garantiert auch die Spritpreise erhöht.